Wenn Stress sichtbar wird – und was mir wirklich hilft

Veröffentlicht am 17. Februar 2026 um 09:56

Ich lebe mit MS. Und wie viele andere Betroffene weiß ich: Stress ist kein kleines Ärgernis, sondern ein ernstzunehmender Faktor. In stressigen Situationen reagiert mein Körper oft schneller, als ich denken kann. Ein Flush – ich werde knallrot, als hätte mich jemand gekocht – ist dann keine Seltenheit. Das ist nicht nur unangenehm, es verstärkt den Stress noch weiter. Ein Kreislauf, den ich lange kaum durchbrechen konnte.

Laufen hilft mir. Bewegung, Rhythmus, Atmung – das alles bringt mich zurück in meinen Körper.
Aber ich habe noch etwas anderes gefunden. Etwas, das viele im ersten Moment belächeln: Räuchern.

Ja, es klingt für manche nach Esoterik. Nach Räucherstäbchen und diffuser Spiritualität.
Aber das ist es für mich nicht. Überhaupt nicht.

Räuchern – mehr als nur Duft

 

Beim Räuchern geht es nicht um Magie. Es geht um Pflanzenstoffe. Um das, was Kräuter, Harze und Schalen an ätherischen Ölen freisetzen, wenn sie langsam verglimmen. Und darum, wie unser Nervensystem darauf reagiert.

 

Ein Beispiel: Orange.
Zitrusöle enthalten Inhaltsstoffe, die nachweislich beruhigend wirken können. Studien aus der Aromaforschung zeigen, dass Orangenduft die Aktivität des parasympathischen Nervensystems fördern kann – also genau jenes Systems, das für Entspannung, Regeneration und Ruhe zuständig ist. Ich merke das nicht, weil ich es gelesen habe. Ich merke es, weil mein Körper langsamer wird.

 

Oder Rosmarin.
Er wird in der Forschung häufig mit gesteigerter Aufmerksamkeit und besserer Konzentration in Verbindung gebracht. Rosmarin kann anregend wirken, ohne aufzuputschen. Wenn mein Kopf wie Watte ist, hilft mir dieser klare, krautige Duft, wieder bei mir anzukommen.

Was dabei wirklich passiert

 

Wenn wir räuchern, atmen wir bewusst. Langsamer. Tiefer.
Allein das hat einen enormen Effekt auf das vegetative Nervensystem. Dazu kommen die Duftmoleküle, die über die Nase direkt das limbische System erreichen – jenen Teil des Gehirns, der für Emotionen, Stressreaktionen und Erinnerungen zuständig ist.

 

Das ist keine Esoterik. Das ist Neurobiologie.

 

Bei MS ist das Nervensystem ohnehin sensibler. Reize werden schneller als Bedrohung eingeordnet, Stressreaktionen fallen stärker aus. Wenn ich feine Kräuter oder Harze räuchere, passiert etwas sehr Konkretes:
Mein Körper bekommt das Signal, dass gerade keine Gefahr besteht.

 

Und dann wird es still.
Nicht schlagartig. Aber spürbar.

Gespürt, nicht gelernt

Ich habe mir dieses Wissen nicht zuerst angelesen. Ich habe es erlebt.
Ich habe gespürt, wie sich mein Atem beruhigt. Wie die Hitze im Gesicht nachlässt. Wie mein Körper aufhört, gegen sich selbst zu arbeiten.

 

Wichtig hierbei ist es aber auch zu erwähnen das es eine persönliche Erfahrung von mir ist, natürlich können diese Kräuter und Pflanzen bei Dir anderes wirken oder es gibt Düfte die dich mehr erden und frische bringen. Es war fast erleichtert zu sehen, dass es dafür Erklärungen gibt. Dass Pflanzen schon immer Teil von Heil- und Beruhigungsritualen waren – lange bevor wir sie „alternativ“ genannt haben. Daher habe keine Angst davor sondern probiere Dich gern aus.

 

Mein Umgang mit Stress heute

Räuchern ersetzt keine Therapie. Es heilt keine MS.
Aber es hilft mir, mit meinem Nervensystem zu arbeiten statt gegen es.

 

In Momenten, in denen Stress sichtbar wird.
In Momenten, in denen mein Körper schneller reagiert als mein Verstand.
In Momenten, in denen ich einfach nur wieder bei mir ankommen möchte.

 

Manchmal sind es genau diese stillen, unspektakulären Dinge, die den größten Unterschied machen.

 

Und manchmal riechen sie einfach nach Orange. 🍊

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